ÖSTERREICHISCHER FILM GENDER REPORT 2012-2016

EKLATANT UNGLEICHE GESCHLECHTERVERHÄLTNISSE IN
ALLEN BEREICHEN DER ÖSTERREICHISCHEN FILMBRANCHE

Das Österreichische Filminstitut und das Bundeskanzleramt gaben – nicht zuletzt durch unsere langjährige Initiative – einem parlamentarischen Entschließungsantrag folgend im Jahr 2017 die Erstellung eines “Film Gender Reports” in Auftrag. Die Umsetzung übernahmen Ao. Univ.-Prof. Dr. Mag. Eva Flicker und Lena Lisa Vogelmann, BA BA, vom Institut für Soziologie der Universität Wien. Die zentralen Ergebnisse wurden am 7. Mai 2018 präsentiert.

Zentrale Ergebnisse Film Gender Report 2012-2016

Kurzfassung Film Gender Report 2012-2016

Quelle: http://www.fc-gloria.at
 

Julia Pühringer hat die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

80% der Herstellungsförderungen wurden Projekten mit Männern in Regie, Produktion oder Drehbuch zugesprochen, nur 20% der Fördermittel gingen an Projekte mit Frauen in diesen Funktionen.

Bei der Stoffentwicklung wurden 72% des Filmförderungsbudgets des ÖFI an Männer, 28% an Frauen vergeben, bei. der Förderung der Herstellung von Fernsehfilmen (ungeachtet der Filmlänge) entfielen 84% des Förderbudgets auf Männer, 16% auf Frauen.

Heftig: Bei der Förderung der Herstellung von Fernsehserien (ungeachtet der Gesamtlänge) entfielen bei 29 geförderten Projekten 92% des Förderbudgets auf Männer und 8% auf Frauen.

Das leidige Budget: Die höchsten Förderbeträge gingen ausschließlich an Projekte mit mehrheitlich männlich besetzten Stabstellen. Niedrigere Förderbeträge gingen überproportional häufig an Projekte mit hohem Frauenanteil. 

Über die Projektförderungen im ÖFI entschieden mehrheitlich Männer. Weniger als ein Viertel des Aufsichtsrats waren Frauen. 

Geschlechterverhältnisse bei der Förderung von Kinofilmen: 66% Männer und 34% Frauen, Verteilung Honorare allerdings 71% und 29%. Also: 1/4 aller Regisseur*innen waren Frauen, erhielten aber nur 1/5 der Honorare. 

Je geringer der Frauenanteil in den Stabstellen war, desto geringer war der Frauenanteil auch bei den Hauptdarsteller*innen – und umgekehrt.

Nur 14% aller Filme wurden von mehrheitlich weiblichen Filmteams umgesetzt, nur ein Film (#Maikäferflieg <3) wurde mit über 75% Frauen in den Stabstellen realisiert. 22% aller Filmteams bestanden vorwiegend aus Männern. 

75% der Spielfilme, die 2012-2016 in die Kinos kamen, wurden von Regisseuren gedreht. 21% wurden mit weiblicher Regie umgesetzt, 4% von Regie-Teams, die aus Frauen und Männern bestanden.
Filme von Regisseurinnen wiesen - Überraschung;-) - einen höheren Frauenanteil in den weiteren Stabstellen auf (48%) als Filme von Regisseuren (34%).

Filme von Teams mit hohem Frauenanteil stellen sowohl weibliche als auch männliche Figuren differenzierter dar als jene mit hohem Männeranteil. 

Die Hauptfiguren waren in österreichischen Kinospielfilmen 2012-2016 zu 55% männlich und 45% weiblich. Die Attraktivität weiblicher Figuren war in den Filmen dreimal häufiger Gesprächsthema als die männlicher Figuren. 

Zwei Drittel der Programmverantwortlichen der Festivals waren Frauen. Bei den Festivaldirektor*innen dreht sich das Geschlechterverhältnis um: Die oberste Führungsebene war nur zu 39% weiblich besetzt. 

Auch net unspannend: Von den Vorsitzenden der Wettbewerbsjurys auf den Filmfestivals waren 80% Männer und 20% Frauen. Die Wettbewerbsjurys waren besetzt mit 56% Männern und 44% Frauen.

Auch: Es erhöht sich der Prämierungsanteil von Filmen von Regisseurinnen mit steigendem Frauenanteil in der Wettbewerbsjury. Nonanet. 

Noch was Spannendes zur Filmakademie:
Die Prüfungskommission für Regie hatte im Jahr 2016 …
… einen Frauenanteil von 0% für die Prüfungsteile 1-3 und
… einen Frauenanteil von 10% für den Prüfungsteil 4.

44% weibliche Studierende wurden von
30% weiblichen Lehrenden und
10% Professorinnen unterrichtet.

Und das vorhin versprochene Zitat von Josef Hader zum #ÖFilmGenderReport:
„Es geht nicht darum, Filme zu fördern, nur weil sie von Frauen gemacht werden. Es geht darum, eine klare strukturelle Benachteiligung von Frauen in den Fördergremien, den Filmjurys und bei der Bezahlung abzustellen. Daher bin ich für eine 50-50-Quote in den österreichischen Fördergremien, dann können wir gern wieder über die Freiheit der Kunst reden.“

Quelle: Julia Pühringer